Agora Industrie, ifeu, RISE und Ramboll (2024)
Reduktion und Regulierung von Embodied-Carbon-Emissionen im deutschen Gebäudesektor.
Unsere Herangehensweise
Die Roadmap Germany baut auf aktuellen Klimaszenarien, nationalen Emissionsdaten und den Erfahrungen bestehender Roadmaps in anderen Ländern auf. So entstehen Grenzwerte, die sowohl wissenschaftlich fundierte Orientierung geben, als auch praktisch umsetzbar sind. Die Roadmap Germany arbeitet top-down: Ausgangspunkt ist nicht das, was heute gebaut wird, sondern das, was das Klima noch verträgt.
Das Prinzip in vier Schritten: Vom globalen Treibhausgasbudget, das die Erwärmung mit 67 Prozent Wahrscheinlichkeit auf 1,75 °C begrenzt, wird nach dem Pro-Kopf-Prinzip der deutsche Anteil abgeleitet. Davon entfallen konsumbasiert 40 Prozent auf den Hochbau. Dieses sektorale Budget wird in konstruktionsbedingte und betriebsbedingte Emissionen aufgeteilt und unter Annahmen zur Bautätigkeit auf die Hochbauflächen umgerechnet. Das Ergebnis für 2026: höchstens 4,55 kg CO₂e pro Quadratmeter Nettoraumfläche und Jahr für die konstruktionsbedingten grauen Emissionen (Module A1-A3, B4, C3, C4), mit einem Absenkpfad bis zur Treibhausgasneutralität 2045. Der Grenzwert ist eine wissenschaftlich fundierte Näherung. Er wird mit neuen Erkenntnissen fortgeschrieben, und der Abgleich mit realen Projekten zeigt: Zu diesem Niveau lässt sich bauen.
Im Kontext einer ganzheitlichen Gebäudebetrachtung entwickelt die Roadmap Germany zwei weitere Bausteine, die künftig feste Bestandteile von Lebenszyklusanalysen werden sollen: einen Ressourcen-Indikator, der die linear verbrauchte Materialmasse pro Quadratmeter misst, und einen methodischen Rahmen für Biodiversität, der Auswirkungen sichtbar macht und dabei unterstützt, sinnvolle Zielwerte zu setzen.
Die Herleitung der Roadmap Germany zu den Themen Treibhausgas, Ressourcen und Biodiversität, inkl. der Parameter, Annahmen, Sensitivitäten und offenen Fragen sowie gesammelter Literatur, Quellen und Referenzen, haben wir in unserem Methodik-Papier dokumentiert, welches sich gerade in der letzten Abstimmungsschleife befindet.
Worauf wir aufbauen
Zur Erarbeitung der gesamtheitlichen Betrachtung und Berechnung des konkreten Grenzwertes wurden folgende Papiere hinzugezogen:
Agora Industrie, ifeu, RISE und Ramboll (2024)
Reduktion und Regulierung von Embodied-Carbon-Emissionen im deutschen Gebäudesektor.
BBSR (2020)
Umweltfußabdruck von Gebäuden in Deutschland
BPIE (2023)
Regulierung der Lebenszyklus-THG-Emissionen von Gebäuden – Empfehlungen für Deutschland
BPIE (2024)
How to Establish Whole Life Carbon Benchmarks: Insights and Lessons Learned from Emerging Approaches in Ireland, Czechia and Spain
Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (2019)
Bundes-Klimaschutzgesetz (1. Änderung 15. Juli 2024)
DGNB/BPIE (2025)
Life Cycle-Based Assessment of Buildings. An Analysis of 28 Residential Buildings with Regard to Climate Impact and Costs in Germany
Nordic Sustainable Construction (2025)
Setting and Assessing Limit Values in Nordic Countries – Analysis of the Different Regulatory Needs
Reduction Roadmap (Dänemark)
reductionroadmap.dk
Sachverständigenrat für Umweltfragen (2024)
Wo stehen wir beim CO₂-Budget? Eine Aktualisierung
United Nations (2015)
Paris Agreement
United Nations Environment Programme (2023)
Building Materials and the Climate: Constructing a New Future. Nairobi.
United Nations Population Division (2026)
Germany Population (Worldometer)
Woytowicz, J., Stöckle, L., Präger, L. und Lang, W. (2025)
Determination of a Dynamic Top-down Greenhouse Gas Budget for Buildings in Germany. IOP Conference Series: Earth and Environmental Science 1554(1): 012121
Teil einer Bewegung
Die Roadmap Germany überträgt die Erfahrungen und erfolgreichen Ansätze unserer Partnerorganisationen in Dänemark, Schweden und Australien auf den deutschen Kontext. Unterschiede in Baupraxis, Rechtsrahmen und Datenlage berücksichtigen wir dabei ausdrücklich. Solltest Du Feedback zur Berechnungsmethode haben oder in einer Arbeitsgruppe mitarbeiten wollen, Melde Dich gerne bei uns.
Warum es sich lohnt
Der Report von Bauhaus Erde und der Bauwende Allianz, der im Rahmen eines Policy Labs 2025 entstanden ist, zeigt: verbindliche Treibhausgas-Grenzwerte über den gesamten Lebenszyklus schaffen Planungssicherheit, Innovationsanreize und neue Märkte für klimafreundliche Materialien. Die zwölf Thesen machen deutlich, dass die Praxis weiter ist als der Regulierungsrahmen und dass ambitionierte Grenzwerte nicht bremsen, sondern beschleunigen. Sie sind ein Hebel für Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und regionale Wertschöpfung. Jetzt gilt es, den Mut aufzubringen, diese Chance zu nutzen und gemeinsam den Rahmen zu setzen.