Was es braucht

Deutsch­land braucht eine Road­map

Auf Basis des ver­blei­ben­den Treib­haus­gas­bud­gets für das Bau­wesen zeigt die Road­map Ger­many, wel­che maxi­malen lebens­zyklus­bezo­genen Treib­haus­gas­emis­sio­nen pro Qua­drat­meter und Jahr mit dem Pari­ser Abkom­men ver­ein­bar sind (Glo­bale Erwär­mung 1,75°, 67% Wahr­schein­lich­keit). Aus dem ver­blei­ben­den glo­balen Treib­haus­gas­bud­get ergibt sich ein lebens­zyklus­bezo­gener Treib­haus­gas‑Grenz­wert für den Hoch­bau von höchs­tens 4,55 kg CO₂e/m²a (NRF) für die kon­struk­tions­beding­ten Emis­sio­nen (“embo­died emis­sions”) in den Modu­len A1-A3, B4, C3, C4 bei einem Betrach­tungs­zeit­raum von 50 Jah­ren im Jahr 2026, mit einer Reduk­tion bis zur Kli­maneu­tra­lität 2045.

Zugleich rückt die Road­map Ger­many den scho­nen­den Umgang mit Bau­stof­fen und Flä­chen in den Fokus: Als Bei­trag zur Begren­zung von Bio­diver­sitäts­ver­lust und Res­sour­cen­ver­brauch ent­lang des gesam­ten Lebens­zyklus von Gebäu­den. Die Bewer­tung bzw. Berech­nung der Aus­wir­kun­gen auf die Bio­diver­sität sollte ein ver­pflich­ten­der Bestand­teil von Lebens­zyklus­ana­lysen wer­den. Dafür müs­sen die Wir­kungs­kate­gorien Toxi­zität und Flä­chen­nut­zung in die ÖKO­BAU­DAT inte­griert wer­den. 

Wenn wir Wohn­raum­ziele, kli­maver­träg­liche Grenz­werte, Res­sour­cen­effi­zienz und Natur­schutz nicht gemein­sam in einem ver­bind­lichen Rah­men ver­ankern, blei­ben unsere Ziele auf allen Ebe­nen ent­weder uner­reich­bar oder sie trei­ben Emis­sio­nen, Flä­chen­ver­brauch und öko­logi­sche Schä­den über ein natur‑ und Paris‑kom­pati­bles Niveau hin­aus.

Was uns antreibt

Ein Plädoyer für klimafreundliches Bauen

Der Gebäu­debe­reich ver­ursacht rund 40 Pro­zent der natio­nalen Treib­haus­gas­emis­sio­nen. Ein gro­ßer Teil davon ent­steht schon vor dem Betrieb, bei der Her­stel­lung von Bau­stof­fen wie Zement und Stahl: Im ener­gie­effi­zien­ten Neu­bau machen diese grauen Emis­sio­nen bereits 50 bis 90 Pro­zent der gesam­ten Lebens­zyklu­semis­sio­nen aus.

Bis­herige Rege­lun­gen kon­zen­trie­ren sich aus gutem Grund auf den Ener­gie­ver­brauch im Betrieb, die­ser Weg bleibt rich­tig. Doch je wei­ter Ener­gie­effi­zienz und die Dekar­boni­sie­rung der Ener­gie­sys­teme vor­anschrei­ten, desto stär­ker bestim­men die im Gebäude gebun­denen grauen Emis­sio­nen die Kli­mabi­lanz. Genau die­sen Hebel gilt es jetzt zusätz­lich für kli­mafreund­liches, res­sour­cen­scho­nen­des und qua­litäts­vol­les Bauen zu nut­zen.

Was wir erreichen wollen

Lücke zwischen Anspruch und Realität

Policy Lab THG Grenzwerte, April 2025. ©Leander von Thien

Für einen Wan­del im Bau­sek­tor, die sozial trag­fähig und öko­logisch wirk­sam ist, reicht das nicht aus. Wir müs­sen gesamt­heit­lich den­ken, Pla­nung stra­tegisch danach aus­rich­ten und in der Bau­pra­xis anders arbei­ten. Das beginnt bei ver­läss­lichen Grenz­wer­ten für alle:

Ver­läss­liche Grenz­werte zur lang­fris­tigen Pla­nung für alle Markt­teil­neh­mer: Poli­tische Ziele und Kli­mapläne for­mulie­ren ambi­tio­nierte Reduk­tions­ziele bis 2030, aber kon­krete, aus­rei­chende Grenz­werte für den gesam­ten Lebens­zyklus von Gebäu­den feh­len bis­her. Ohne ver­bind­liche Grenz­werte bleibt kli­mafreund­liches Bauen von Ein­zel­pro­jek­ten abhän­gig und ist nicht flä­chen­deckend abge­sichert.

Von der Wur­zel her den­ken und bes­ser gestal­ten: Natur­schutz wird in Deutsch­land groß geschrie­ben, aber oft vom Ende her gedacht, anstatt Arten­viel­falt und Habi­tat­schutz direkt im Design zu berück­sich­tigen. Die Bewer­tung von Bio­diver­sität im Lebens­zyklus von Gebäu­den sollte als Bestand­teil von LCA mit­gedacht wer­den.

Aus der ambi­tio­nier­ten Pra­xis ler­nen und Grenz­werte umset­zen: In der Bau­pra­xis gibt es bereits zahl­rei­che Vor­rei­ter:innen, die kli­mafreund­lich, res­sour­cen­scho­nend und rege­nera­tiv bauen, aber ihre Erfah­run­gen wer­den noch nicht sys­tema­tisch in der Regu­lie­rung genutzt.

Für poli­tische Ent­schei­dungs­trä­ger:innen wol­len wir mit der Road­map Ger­many sicht­bar machen, wel­che Grenz­werte für Neu­bau­ten not­wen­dig und rea­lis­tisch umsetz­bar sind. Für Akteur:innen aus Pla­nung, Bau und Immo­bili­enwirt­schaft zei­gen wir auf, wel­che Lösun­gen heute bereits funk­tio­nie­ren und wie sich Pro­jekte an künf­tigen Anfor­derun­gen aus­rich­ten las­sen.